Amazon ”kümmert” sich ab Januar 2018 um die Umsatzsteuer der Marketplace-Händler

Amazon ”kümmert” sich ab Januar 2018 um die Umsatzsteuer der Marketplace-Händler bzw. spielt den Eintreiber für den Staat: Können US-Bundesstaaten sich auf Steuereinnahmen in Milliardenhöhe freuen?

 

  • Amazon hat die sog. "Marketplace Tax Collection" eingeführt, um im Namen von Amazon-Händlern automatisch die Umsatzsteuer zu erheben und abzuführen.
  • Washington ist der erste Bundesstaat, der von dem Dienst ab dem 1. Januar 2018 im Rahmen eines neuen Internet-Umsatzsteuergesetzes profitieren wird.
  • Immer mehr Bundesstaaten erhöhen wegen der Umsatzsteuer den Druck auf Amazon-Händler, bisher allerdings mit wenig Unterstützung durch den Online-Riesen.

 

Neuer Service von Amazon: Marketplace Tax Collection

 

Amazon sieht sich nun schließlich doch gezwungen, das Thema aktiv Steuererhebung anzugehen.

Ab 2018 wird das Unternehmen damit beginnen, in seinem Heimatsitz Washington die Umsatzsteuer für seine Drittanbieter einzuziehen, hieß es diese Woche in einer Ankündigung in einem Amazon-Verkäuferforum.

Der neue Service namens "Marketplace Tax Collection" wird automatisch die Umsatzsteuer für Drittanbieter, die Produkte in bestimmten Bundesstaaten verkaufen, "berechnen, erheben und weiterleiten", teilte Amazon mit. Washington wird der erste Bundesstaat sein, da dort mit Wirkung zum 01. Januar 2018 ein Gesetz in Kraft tritt, das alle Online-Marktplätze – und damit auch Amazon - verpflichtet, im Namen ihrer Drittanbieter Umsatzsteuer zu erheben.

Mit diesem Schritt betritt Amazon Neuland. Bisher hatte das Unternehmen Umsatzsteuer nur auf Produkte erhoben, die es selbst an Konsumenten verkauft, und es den Händlern selbst überlassen, sich um die Umsatzsteuer aus ihren Verkäufen zu kümmern.

Washington hat dieses Schlupfloch nun geschlossen und festgestellt, dass für sämtliche Internet-Verkäufe Steuern abzuführen sind. Verkauft zukünftig also beispielsweise ein Händler für Unterhaltungselektronik in Cleveland einen Fernseher an einen Kunden in Seattle, übernimmt Amazon unabhängig vom Standort des Versenders oder Auftragsabwicklungszentrums die Steuererhebung und –Abführung.

 

Es wird nicht bei Washington bleiben

 

"Andere Bundesstaaten werden dem Beispiel Washingtons höchstwahrscheinlich folgen", vermutet James Thomson, Partner beim Unternehmen BuyBox Experts und früherer Head of Service bei Amazon.

"Da sich Amazon nun damit einverstanden erklärt hat, Umsatzsteuern für den Staat Washington einzuziehen und zu abzuführen, erwarte ich, dass jeder andere Staat versuchen wird, diese Bemühungen nachzuahmen", ist Thomson überzeugt. "Das macht es sehr viel einfacher für die Bundesstaaten, Umsatzsteuer von Online-Marktplätzen zu erheben."

Auch Bundesstaaten wie Minnesota und Rhode Island werden wahrscheinlich für den Dienst in Frage kommen, sobald ihre Gesetze in den kommenden Jahren in Kraft treten. Bis jetzt sind Verkäufer in anderen Staaten immer noch "für ihre Steuerpflichten selbst verantwortlich ", teilte Amazon mit.

 

Milliarden an Steuereinnahmen aus E-Commerce

 

Durch den wachsenden Einfluss von Amazon steht eine Menge Geld auf dem Spiel. Nach Schätzungen des Marktforschungsunternehmen Forrester werden die Umsätze aus E-Commerce bis 2018 auf 500 Milliarden US-Dollar anwachsen. Die Steuerverwaltungsbehörde "Multistate Tax Commission" schätzt, dass alleine aus den Verkäufen von Amazon-Händlern jährlich mehr als 2 Milliarden US-Dollar an Umsatzsteuer am Fiskus vorbeigehen.

"Die Existenz eines riesigen Shoppingcenters in der Cloud hat den Bundesstaaten einiges an Kopfzerbrechen bereitet", sagt Scott Peterson, Vizepräsident für amerikanische Steuerpolitik und Regierungsbeziehungen beim Steuer-Softwarespezialisten Avalara. "Es baut sich im Moment großer Druck auf Leute auf, Steuern einzuziehen, die das bisher nicht getan haben."

 

South Caroline verklagt Amazon wegen Steuerausfällen

 

South Carolina argumentiert, dass bereits die bestehenden Gesetze Amazon verpflichten, Umsatzsteuer von Drittanbietern einzuziehen und abzuführen. Grund: Das Unternehmen hat im Bundesstaat bereits Auftragsabwicklungszentren und übernimmt einen Großteil der anfallenden Aufgaben für seine Händler.

South Carolina hat in diesem Jahr bereits eine Klage eingereicht und verlangt von Amazon schätzungsweise 57 Millionen US-Dollar für in 2016 nicht abgeführte Umsatzsteuer. Für die folgenden fünf Jahre geht der Bundesstaat von weiteren 500 Million US-Dollar an Steuerverpflichtungen aus.

In seinem Quartalsbericht teilt Amazon dazu mit, dass man sich gegen diese Vorwürfe "energisch" zur Wehr setzen werde.

 

Steueramnestie findet nur geringes Echo

 

Einige Bundesstaaten haben die Verantwortung für das Abführen der Umsatzsteuer den einzelnen Händlern auferlegt. 25 Staaten haben sich in diesem Jahr zusammengetan, um Verkäufern auf Amazon und anderen Online-Marktplätzen ein neues Amnestie-Programm für die Umsatzsteuer anzubieten. Wer die Amnestie in Anspruch nimmt, kann sich eines Teils seiner Steuerpflichten aus den Vorjahren entledigen, verpflichtet sich aber im Gegenzug, zukünftig Umsatzsteuer abzuführen.

Die Reaktionen waren bisher allerdings verhalten: Nur 850 Verkäufer haben sich bis jetzt angemeldet. Grund dürften die nach wie vor fehlenden Gesetze sein, die die Erhebung Umsatzsteuern für Geschäfte im Internet verpflichtend machen. Es sei zu kostspielig und mühsam für Verkäufer, die ganze Abwicklung selbst zu übernehmen, sagte Peterson.

"Die Händler tun ihr Bestes, um die Gesetze in ihrem Heimatsitz zu befolgen, aber niemand will in anderen Staaten Umsatzsteuer eintreiben", sagte er.

 

Fazit: Es kommende ”spannende” Zeiten auf Amazon Händler zu. Das Thema Sales Tax wird uns noch lange beschäftigen und einigen Händlern schlaflose Nächte bescheren. Klar sollte auch sein, dass Amazon diesen ”Service” nicht ohne Gebühr umsetzen wird! Daher sollte sich niemand jetzt zurücklehnen gemäß dem Motto, alles wird gut und Amazon wird sich schon darum kümmern oder kümmern müssen.

Ansgar Heinrich ThuneComment