Was bedeutet „Tax Nexus“

Tax Nexus: Wie Bundesstaaten Umsatz- und Ertragssteuern erheben

Was bedeutet „Tax Nexus“ im Hinblick auf die Etrags- und Umatzsteuer?



In Diskussionen um die Umsatzsteuer taucht häufig der Begriff „Tax Nexus“ oder auch nur „Nexus“ auf. Besonders im Gespräch mit Amazon-Händlern ist die Ratlosigkeit groß, wenn der Begriff auftaucht.
Dieser Artikel erläutert zum einen, was „Tax Nexus“ bedeutet und zum anderen, wie er mit der Umsatz- und Ertragssteuer zusammenhängt. Dabei gehe ich insbesondere auf das Thema Onlinehandel ein.


Was bedeutet „Tax Nexus“?



Grundsätzlich heißt „Nexus“ übersetzt erst einmal nichts anderes als „Verbindung“. Im Steuerrecht wird der Begriff verwendet, um zu beschreiben, dass ein Unternehmen eine Verbindung zu oder eine steuerlich relevante Präsenz in einem Bundesstaat hat.
Vereinfacht ausgedrückt: „Tax Nexus“ bedeutet ungefähr so viel wie „in einem Bundesstaat Geschäfte machen“.
Ein „Nexus“ definiert zweierlei:
1. welchen Grad der geschäftlichen Aktivität ein Unternehmen entfalten muss, bis ein Bundesstaat Steuern auf den erwirtschafteten Ertrag erheben kann;
2. ob und welche Umsatzsteuer auf Verkäufe in diesem Bundesstaat anfällt.
Wenn ein Steuerzahler in einem bestimmten Bundesstaat einen „Nexus“ hat, muss er auf den in diesem Staat erwirtschafteten Ertrag Steuern zahlen. Auch muss er auf seine Verkäufe Umsatzsteuer erheben und abführen.


Wie entscheidet sich, ob man einen „Nexus“ hat?



Der “Nexus” wird für Umsatz- und Ertragssteuern jeweils unterschiedlich festgelegt. Auch folgt jeder Bundesstaat individuellen Regeln.
1. Festlegung der Ertragssteuerpflicht:
Grundsätzlich entsteht ein “Nexus”, wenn ein Unternehmen:

  • Erträge innerhalb des Bundesstaates erwirtschaftet;
  • Eigentum in dem Staat besitzt oder verpachtet;
  • Angestellte in dem Bundesstaat hat, deren Funktion über die reine Auftragsgewinnung hinausgeht (englisch: „exceeds mere solicitation“);
  • Anlagevermögen in diesem Bundesstaat besitzt.



2. Festlegung der Umsatzsteuerpflicht:
Die Definition ist hier etwas schwammiger. Zur Illustration einige Beispielfälle, in denen ein Unternehmen wahrscheinlich einen „Nexus“ bezüglich der Umsatzsteuer in einem Bundesstaat hätte:
Das Unternehmen:

  • besitzt eine physische Niederlassung in dem Bundesstaat;
  • hat Mitarbeiter mit festem Wohnsitz in diesem Staat;
  • verfügt über (materielles oder immaterielles) Eigentum im Bundestaat;
  • hat Mitarbeiter in diesem Bundesstaat, die regelmäßig im Namen des Unternehmens Geschäfte abschließen (anders gesagt: Vertriebsmitarbeiter).


Die Entscheidung, ob ein Unternehmen der Umsatzsteuerpflicht in einem Bundesstaat unterworfen wird, ist komplex. Darüber hinaus wird das Konzept des „Nexus“ von allen Bundesstaaten unterschiedlich ausgelegt.
Bis vor kurzem war die Voraussetzung für eine Umsatzsteuerpflicht, dass ein Unternehmen in dem jeweiligen Bundesstaat eine physische Präsenz hatte. Neuerdings wird auch ein „Nexus“ geltend gemacht, wenn es sich um Online-Affiliates handelt (s.u.).


Der „Tax Nexus“ in verschiedenen Bundesstaaten



Um es ganz deutlich zu sagen: wenn Ihr Unternehmen die Voraussetzung für einen „Tax Nexus“ in verschiedenen Bundesstaaten erfüllt, müssen Sie:

  • Umsatzsteuer auf alle Produkte und Dienstleistungen, auf die diese Steuer anwendbar ist, in den einzelnen Bundesstaaten bezahlen;
  • Ertragssteuern auf den im jeweiligen Bundesstaat erzielten Ertrag abführen.


Genau deshalb gründen viele Unternehmen eigenständige Profit-Center in jedem Bundesstaat, in dem sie aktiv sind.


Online-Handel und „Tax Nexus“



In den vergangenen 10 – 15 Jahren steigt das Unbehagen der Bundesstaaten hinsichtlich des Online-Handels und der in diesem Zusammenhang nicht abgeführten Umsatzsteuer.
Die Bundesstaaten gewinnen zunehmend den Eindruck, dass Online-Händler keine Umsatzsteuer erheben und abführen, und dass ihnen dadurch Einnahmen entgehen. Eines der größten Probleme für die Bundesstaaten ist dabei die Überwachung und Durchsetzung der Umsatzsteuerpflicht. 
Der Kongress hat mehrere Gesetze (u.a. den „Mainstreet Fairness Act“) eingebracht, um das entstandene Chaos zu beseitigen. Allerdings ist bisher keines dieser Gesetze beschlossen worden.


Affiliate Nexus vs. Click-Through Nexus



Für den Onlinehandel müssen zwei Arten des „Nexus“ unterschieden werden:

  • „Click-through Nexus“: Dabei besteht eine direkt Verbindung zwischen Käufer und Verkäufer;
  • „Affiliate Nexus“: Hier ist zwischen Käufer und Verkäufer noch ein Online-Affiliate zwischengeschaltet.


Viele Bundesstaaten haben Gesetze erlassen, um Umsatzsteuer auf Online-Verkäufe zu erheben, oder sie haben für Online-Affiliates einen „Tax Nexus“ festgestellt, was dazu führt, dass sie Umsatzsteuer auf ihre Verkäufe berechnen und abzuführen müssen.
Obwohl ein Online-Affiliate kein Mitarbeiter oder auch nur ein selbständiger Dienstleister ist, besteht doch eine Verbindung zum Unternehmen. Diese Tatsache nutzen die Bundesstaaten aus, um Umsatzsteuer einzutreiben.
Amazon ist natürlich der Platzhirsch in dieser nicht enden wollenden Geschichte. Aber sogar dieses Unternehmen baut immer weitere Distributionszentren, die eindeutig als sogenannte „Tax Nexus Points“ behandelt werden, in den meisten Bundesstaaten auf. Mit anderen Worten: auch Amazon führt inzwischen Umsatzsteuer für sein Online-Geschäft ab.